Ivory‘s zweiter Ausflug

 

Wir haben die Hoffnung und die Bitte, dass Ivory‘s nachfolgendes Erlebnis möglichst vielen erspart bleibt. Abgesehen von Ivory‘s Empfindungen kann ich sagen, dass es auch mich viel Kraft gekostet hat, unseren Kater in dieser Zeit fast komplett in Gottes Hand/nach oben abzugeben, nachdem ich alles unternommen hatte, was in meiner Macht stand, um ihm die Rückkehr zu ermöglichen/zu erleichtern.

 

Unsere Katzen haben, wie sie es selbst bezeichnen, den Luxus, dass sie eine 24 Stunden geöffnete Katzenklappe nutzen können. Dadurch herrscht ein reges Kommen und Gehen. Dies führt dazu, dass ich täglich im Laufe des Tages bewusst darauf achte, ob ich alle mindestens kurz gesehen habe, denn sonst ist die Welt für mich nicht in Ordnung. So auch an einem Sonntag Anfang Februar. Zu dieser Jahreszeit kann ich die „Zählung“ meist bereits ein bis zwei Stunden nach dem Aufstehen abschließen, da die Ausflüge meiner Katzen bei den geringen Tempera- turen verhältnismäßig kurz, dafür aber häufiger, sind. An diesem besagten Sonntag bemerkte ich Ivory‘s Fehlen. Bis zum Abend verdichtete sich der Eindruck, dass etwas nicht stimmte. Dies war dann der Zeitpunkt, mich intensiver mit Ivory zu beschäf-tigen. Ich spürte, dass er sich nicht frei bewegen konnte, aber die Informationen waren ein wenig verschwommen und vor allem unvollständig. Es kamen nur Bruchstücke. Also beschloss ich notge-drungen, ins Bett zu gehen und mich am nächsten Tag schnellstmöglich diesem Thema anzunehmen. Wider Erwarten konnte ich gut einschlafen und hatte eine ruhige Nacht. Die erneute Verbindung mit Ivory ergab, dass er unbeabsichtigt in einem Schuppen/

einem Gartenhaus, aber in keiner Scheune einge-sperrt worden sei. Mindestens ein leider verschlos-senes Fenster zeigte er mir. Er beschrieb zudem, dass die Unterkunft aus inzwischen älterem Holz bestand und sich darin auch derartiges Brennmate-rial und Kartoffeln befanden, die aber inzwischen leider nicht mehr genießbar waren. Bei dieser Beschreibung musste ich lachen. Als Ivory als klei-nes Katzenbaby zu uns ins Haus kam hatte er aus anfänglicher Langeweile, da er ja noch nicht nach draußen durfte, stets versucht die Einkäufe genau-estens zu untersuchen. Dabei erwischte ich ihn doch tatsächlich einmal dabei, dass er in eine rohe Kartof-fel biss. Doch das war jetzt nicht das Thema und auch nicht der rechte Zeitpunkt für Erinnerungen an frühere Tage. Den Hinweis, dass er dankbar sei, nicht in eine deutlich kältere und meist auch dunk-lere Garage eingesperrt worden zu sein, schickte Ivory mir ebenfalls. Ich wusste ganz genau warum. Dies ist ein kleiner Teil der Geschichte von unserem vor fast elf Jahren unfreiwillig verschwundenen, über alles geliebten Kater Tiger. Da mir Ivory aber leider nicht sagen konnte (oder wollte) in welche Richtung er gelaufen war, wäre es eine Suche nach der be-rühmten „Stecknadel im Heuhaufen“ gewesen, wenn ich versucht hätte, den Schuppen/das Gartenhaus zu finden. Also beschloss ich, weiterhin engen Kontakt mit ihm zu halten und (möglichst) ruhig zu bleiben. Stets bekam ich das Gefühl, dass Ivory guter Dinge sei, dieses Gefängnis bald wieder verlassen zu kön-nen. Er saß praktisch in den Startlöchern, damit er sofort losspurten könne, wenn sich die Tür endlich öffnen sollte. Eine gute Freundin bat ich gleich am Montag um Energiearbeit mit der oberen Welt, die sie wie immer sehr gerne für uns übernahm. Schnellstmögliches Handeln war, wie stets in solchen Situationen, angebracht und sinnvoll. Zudem gab ich am Dienstag eine Suchmeldung beim Illertisser Bau-hof ab. Ich wusste ja nicht, wie weit Ivory nach seiner Freilassung zu laufen hätte und es war auch noch nicht abzusehen, in welchem Zustand er sich dann befinden würde. Ivory‘s deutlichem Hinweis, dass ich mit der Vermisstenmeldung bei Tasso bitte warten sollte, bis unsere Tochter am Dienstagabend zu Besuch kommen würde, folgte ich. Dies war auch gut so, denn als meine Tochter und ich an diesem Abend gegen 23.00 Uhr gemeinsam das Bad verlie-ßen, um nun zu Bett zu gehen, kam mir unser Ivory die Treppe hoch entgegengelaufen und schleckte sich das Mäulchen. Er hatte offensichtlich zunächst, da er niemanden mehr im Haus hörte (mein Mann hatte sich bereits unmittelbar zuvor schlafen gelegt), den Futterteller in der Küche aufgesucht, was ja auch nach drei Tagen eingesperrt sein nicht verwun-derte. Die Freude war groß. Ivory folgte mir ins Erd-geschoss, verließ dann aber sofort über die Katzen-klappe das Haus. Nach ein paar Minuten, höchstens fünf bis zehn, kam er doch tatsächlich mit einer frisch erlegten Maus im Maul zurück. In der Zwi-schenzeit hatte ich mich vergewissert, dass wirklich ausreichend Wasser und Trockenfutter zur Verfügung stand und mich auch bereits von allen zu diesem Zeitpunkt sichtbar anwesenden Katzen verabschie-det. Jetzt sagte ich auch zu Ivory „Gute Nacht.“ und ging zu Bett, um einen erholsamen Schlaf genießen zu können. Am nächsten Morgen wachte ich für mei-ne Verhältnisse deutlich früher von allein auf und konnte die Suchmeldung beim Illertisser Bauhof überglücklich zurückziehen. Ivory schlief die darauf-folgenden drei Tage und Nächte sehr viel und inten-siv auf einem Lammfell in einem Stuhl direkt vor meiner Arbeitszimmertür. Es war ein Anblick, den ich jedes mal genoss, wenn ich an ihm vorbei kam und ihn dabei ganz sanft ein wenig am Kopf streichelte, so wie er es am meisten liebt. Der muffige Geruch nach altem, modrigem Holz, den ich am Mittwoch ganz leicht in seinem Fell wahrnehmen konnte, ist inzwischen verflogen und auch die Verfilzung zwi-schen seinen beiden Vorderbeinchen konnte meine Freundin vorsichtig herauskämmen. So etwas hatte Ivory noch nie. Er musste also längere Zeit auf et-was Feuchtem gelegen haben. Ein Schuppen/ein Gartenhaus ist eben kein beheiztes Wohnzimmer mit weichen, bequemen Ruheplätzen.

Am darauffolgenden Samstagnachmittag hielt ich ein Seminar in meinem Arbeitszimmer ab. Während die Teilnehmer wieder einmal damit beschäftigt waren, einen Bereich intensiv zu üben, kam von Ivory völlig unvermittelt die folgende Information bei mir an:
Tara im Südfenster Deines Arbeitszimmers –
deren Bedeutung – Freude bei mir.
In unserem Haus sind Zeugnisse verschiedener Kul-turen, deren Bedeutung ich allerdings nicht auswen-dig kenne, jedoch auf die Wirkung vertraue und auch gerne darauf zurückgreife. Getreu dem Motto

Jeder geht auf seinen eigenen Wegen zu seinen eigenen Göttern.
Aber alle Götter sind die Spiegelbilder des Einen.

Verfasser unbekannt

 

Also musste ich auch jetzt kurz in meinen Unterla-gen nachschauen. Die kleine aus dem Buddhismus stammende Messingstatue, auf die mich Ivory hin-gewiesen hatte, ist eine „grüne Tara“. Ihr Name be-deutet sowohl „Stern“ als auch „Retterin“. In Tibet heißt sie „Dölma“, was einfach Mutter heißt. Ihre rechte Hand ist in der Geste der Wunschgewährung nach unten gerichtet. Die linke Hand zeigt die Geste der Schutzgewährung. Sie wird als Schützerin vor allen Gefahren verehrt. Zu jeder Zeit, ob bei Tag oder Nacht, ist sie bereit, schützend und helfend einzugreifen.

 

Dieser zweite Ausflug von Ivory ist zum Glück gut ausgegangen, und die Gegenleistung hierfür durfte gleich im Anschluss an das Folgeseminar erbracht werden.
Eine Frau äußerte eine Bitte. Es ging oberflächlich gesehen um ihren verstorbenen Kater. Heraus ka-men ein langes, klärendes Gespräch und Ratschläge, welche Energiearbeiten die Hilfesuchende jetzt für sich und ihre gesamte Familie (Zwei- und Vierbeiner) vornehmen könnte. Dank ihrer vorherigen Teilnahme an Seminaren, dem Interesse an entsprechender Lektüre und fleißigem Üben des Erlernten kann sie sich jetzt ein ganzes Stück selbst weiterhelfen. Bis zum nächsten Schritt, bei dem ihr dann anfangs sicherlich wieder gerne irgendjemand hilfreich zur Seite steht.
(siehe hierzu auch: Veranstaltungen – Vorwort: Die Geschichte von den langen Löffeln)